
SHANGHAI – Drei Prinzipien für den globalen Umgang mit Künstlicher Intelligenz hat Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul auf der Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz (WAIC) in Shanghai gefordert. Im Beisein von Chinas Präsident Xi Jinping warnte er eindringlich davor, KI zum Schauplatz geopolitischer Machtspiele verkommen zu lassen. Stattdessen müsse ein „vertrauenswürdiger Fortschritt“ her, der alle Länder mitnehme.
Drei Säulen gegen die digitale Spaltung
In seiner Eröffnungsrede am Freitag stellte Anutin ein Modell vor, das auf Schutz, Potenzialentfaltung und geteiltem Wohlstand fußt. Der Premierminister machte klar, dass die Technologie kein neuer Faktor für Spannungen zwischen Staaten werden dürfe.
„KI muss eine Plattform für globale Zusammenarbeit sein, die Unterschiede verringert und Gemeinsamkeiten ausbaut“, zitierte er aus seiner Rede. Nur so könnten Regeln entstehen, die verantwortungsvolle Innovation überhaupt erst möglich machten.
Menschenwürde und Sicherheit als Basis
Der erste Grundsatz betrifft den Schutz der Menschen. Algorithmische Voreingenommenheit, Hassrede und die Flut von Falschmeldungen und Desinformation nannte Anutin als zentrale Risiken, die Regierungen eindämmen müssten.
Als konkreten Ankerpunkt verwies er auf die Ethik-Empfehlung der UNESCO. Diese liefere die Grundlage, um Sicherheitsvorkehrungen praktisch, durchsetzbar und überprüfbar zu gestalten.
Thailand als Taktgeber im Kampf gegen Cybercrime
KI solle über reine Regulierung hinaus auch zum Schutz vor Verbrechen eingesetzt werden. Thailand hat dafür gemeinsam mit dem UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) die Plattform SHIELD entwickelt.
Das System ermöglicht grenzüberschreitenden Informationsaustausch zu Online-Kriminalität und Menschenhandel. Anutin begrüßte in Shanghai ausdrücklich das Interesse Chinas, sich an dieser Initiative zu beteiligen.
Fortschritt zulassen statt abwürgen
Das zweite Prinzip rückt die Entfaltung menschlichen Potenzials in den Mittelpunkt. Anutin warnte vor einer Governance, die zur Innovationsbremse wird. Nötig seien vertrauenswürdige Institutionen und verlässliche Regeln.
Forscher und Unternehmen bräuchten Freiraum, um nützliche Anwendungen zu entwickeln. Entscheidend bleibe, dass der Fortschritt transparent ablaufe und das Vertrauen der Öffentlichkeit nicht verspiele.
Wohlstand darf keine Einbahnstraße sein
Das dritte Prinzip zielt auf geteilten Wohlstand ab. Der Premierminister pochte darauf, dass KI den Zielen nachhaltiger Entwicklung dienen und Bereiche wie Bildung, Gesundheit und öffentliche Dienste voranbringen müsse.
Entwicklungsländer dürften nicht zu reinen Anwendern von Technologien werden, die anderswo entstehen. Sie müssten die Zukunft der KI aktiv mitgestalten und aufbauen können.
Thailands Rolle als Praxis-Labor
Einen Beitrag dazu will Thailand mit seinem neu geschaffenen AI Governance Practice Centre leisten. Die Einrichtung fungiert als eine Art Testumgebung, in der Behörden, Firmen und Hochschulen internationale Prinzipien in konkrete Handlungsanleitungen übertragen.
„Unsere Wahl heute ist nicht die zwischen Innovation und Regulierung – es geht um Zusammenarbeit für einen vertrauenswürdigen Fortschritt“, fasste Anutin seine Haltung zusammen.
Kein Zurück in nationale Silos
Der Premier lobte China ausdrücklich für die Initiative zur Gründung einer weltweiten Organisation für KI-Zusammenarbeit und die Unterstützung des UN-Dialogs zu diesem Thema. Solche Schritte bauten ein offenes multilaterales System auf. Die Botschaft an die versammelten Staats- und Wirtschaftslenker war unmissverständlich: Nur wenn alle Länder gemeinsam Regeln setzen, könne KI eine sichere und wohlhabende Zukunft schaffen, die niemanden zurücklässt.
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Quelle:Nation Thailand