
BANGKOK – Thailand halbiert die visafreie Einreise von 60 auf 30 Tage für Bürger aus 54 Ländern, darunter auch die Schweiz. Der Schritt zielt darauf ab, Missbrauch wie illegale Arbeit und unerlaubte Aufenthaltsverlängerungen einzudämmen. Besonders ältere Langzeiturlauber und sogenannte Winterflüchtlinge, die Monate im Land verbringen, geraten durch die Neuregelung unter Druck.
Von 60 auf 30 Tage: Das ändert sich konkret
Die thailändische Regierung hatte die Kürzung bereits im Mai beschlossen. Bisher fehlt aber die Veröffentlichung im Royal Gazette, dem offiziellen Gesetzblatt. 15 Tage nach dieser Bekanntmachung tritt die neue Regel in Kraft.
Bis zu diesem Stichtag bleibt alles beim Alten. Schweizer und andere berechtigte Staatsangehörige können weiterhin für 60 Tage ohne Visum einreisen. Danach gilt nur noch die halbierte Frist von 30 Tagen.
Touristen bleiben im Schnitt nur neun Tage
Zahlen des Ministeriums für Tourismus und Sport zeigen, dass ausländische Besucher derzeit durchschnittlich etwa neun Tage im Land bleiben. Das Ministerium geht deshalb davon aus, dass die Verkürzung den Massentourismus kaum beeinträchtigen wird.
Der harte Schnitt trifft vielmehr eine spezielle Gruppe: Langzeitreisende und Rentner, die dem europäischen Winter entfliehen und mehrere Monate am Stück in Thailand verbringen.
Unsicherheit in der Schweizer Gemeinschaft
Frank Dumoulin, ein Schweizer aus dem Wallis, der selbst jährlich mehrere Monate in Thailand lebt, spürt die Verunsicherung. Er sagte, die Änderung sorge bereits jetzt für große Unruhe unter den Auslandsschweizern. Sein klares Statement zu älteren Betroffenen: „Einige Rentner, die mit digitalen Prozessen nicht vertraut sind, werden kein Visum online beantragen wollen und sind wahrscheinlich von der Maßnahme betroffen.“
Pascale Thibaud, eine seit zwei Jahren in Thailand lebende Schweizerin, betont die Notwendigkeit, sich ständig über neue Regeln zu informieren. Agenturen könnten bei der Beantragung von Visa helfen, ihre Dienste seien aber mit deutlichen Kosten verbunden.
Behörden prüfen die Lage noch ruhig
Das Schweizer Außenministerium in Bern hat bisher nur wenige konkrete Anfragen von besorgten Bürgern erhalten. Sprecher Pierre-Alain Eltschinger erklärte jedoch, dass es für viele Menschen derzeit schwer sei, verlässliche Informationen zu den neuen Regeln zu finden.
Trotz der geringen Zahl an Hilferufen bleibt die Botschaft klar: Wer langfristig bleibt, muss sich auf strengere Kontrollen und kompliziertere Verfahren einstellen.
Verlängerung bleibt möglich, Ermessensspielraum steigt
Die 30-tägige visumfreie Einreise kann weiterhin einmalig um weitere 30 Tage verlängert werden. Die Gebühr dafür beträgt unverändert 1.900 Baht. Ein einfacher Grenzübertritt zum Zurücksetzen der Aufenthaltsdauer, der sogenannte Visa-Run, wird durch die Halbierung jedoch deutlich öfter nötig.
Frank Dumoulin warnt zudem vor dem Ermessensspielraum der Einwanderungsbeamten. Eine Verlängerung könne jederzeit abgelehnt werden. Er rät dringend davon ab, die Aufenthaltsdauer zu überziehen – die Strafe beträgt 500 Baht pro Tag und belastet die Einwanderungsakte.
30.000 Personen an der Grenze abgewiesen
Josef Schnyder, Vertreter der Schweizer Gemeinschaft im Auslandschweizerrat, verweist auf alarmierende Zahlen aus thailändischen Medien. Demnach wurde 2025 fast 30.000 Personen die Einreise an der Grenze verweigert – ein massiver Anstieg gegenüber den Vorjahren.
Für Einzelreisende gilt zudem die Pflicht, mindestens 20.000 Baht in bar oder als Kreditrahmen nachzuweisen. Familien müssen sogar 40.000 Baht vorweisen können.
Prüfung des Visumsystems läuft bereits
Die Behörden wollen nicht nur die visafreie Zeit kürzen, sondern das gesamte Visumsystem überarbeiten. Das Außenministerium hat eine generelle Überprüfung angekündigt. Im Fokus stehen Maßnahmen gegen unerlaubte Arbeit und stillschweigende Aufenthaltsverlängerungen.
Für Schweizer Langzeitbewohner in Thailand sind das schlechte Nachrichten. Frank Dumoulin berichtet von konkreten Befürchtungen, dass die Bedingungen für Rentenvisa strenger und teurer werden könnten.
Krankenversicherung als Hürde für Rentner
Die Sorge in der Schweizer Gemeinschaft ist groß, dass künftig auch für Rentenvisa eine verpflichtende Krankenversicherung nach thailändischen Standards eingeführt wird. Gerade für ältere Antragsteller ist eine solche Police oft kaum zu annehmbaren Konditionen zu bekommen oder schlicht unbezahlbar.
Die Kombination aus digitaler Antragstellung und steigenden Hürden droht viele ältere Auswanderer ins Abseits zu stellen, die ihren Lebensabend eigentlich in Thailand verbringen wollten.
Praktische Folgen für Winterflüchtlinge
Für alle, die die finanziellen Anforderungen für ein formelles Langzeitvisum nicht erfüllen, wird die neue Regel zur echten Belastungsprobe. Statt eines dreimonatigen Aufenthalts mit nur einer Verlängerung müssen Betroffene jetzt doppelt so oft aus- und wieder einreisen. Pascale Thibaud fasst zusammen, was das für viele bedeutet: Wer auf Visa-Runs angewiesen ist, zahlt jetzt nicht nur mehr Geld, sondern geht bei jeder Wiedereinreise das volle Risiko einer Zurückweisung ein.
Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.
Redaktionelle Anmerkung:Die Halbierung der visafreien Aufenthaltsdauer von 60 auf 30 Tage betrifft selbstverständlich auch deutsche und österreichische Staatsangehörige – sie zählen ebenfalls zu den 54 Ländern, für die Thailand diese Regelung einführt. Da der Originalbericht unserer Quelle AseanNow sich ausschließlich auf die Schweizer Gemeinschaft bezieht und dort konkrete Stimmen und Beispiele aus der Schweizer Expat-Community schildert, haben wir uns entschieden, diesen Artikel der Schweizer Perspektive zu widmen. Einen separaten Überblick über die Auswirkungen auf deutsche und österreichische Staatsangehörige haben wir bereits veröffentlicht.
Quelle:AseanNow