
BANGKOK – Aus einem Streit im Skytrain ist ein diplomatischer Kleinkrieg geworden. Die lärmende Gruppe aus dem viralen BTS-Video war eine italienische Schulklasse auf Studienreise. Thailands Netz hat die Jugendlichen binnen Stunden aufgespürt, der Reiseveranstalter entschuldigt sich öffentlich – und auf der Facebook-Seite der italienischen Botschaft in Bangkok tobt seither der Mob.
Aus einer Zugfahrt wird ein Fall für die Botschaft
Die Szene spielte sich gegen 19 Uhr in einem Zug der Silom-Linie in Richtung Sala Daeng ab. Eine thailändische Fahrgastin filmte eine Gruppe europäischer Jugendlicher, die im Waggon lautstark durcheinanderredete. Was als Bitte um Ruhe begann, endete in gegenseitigen Beschimpfungen – und in einem einzigen Satz, der das Land seither beschäftigt.
Beim Aussteigen an der Station Sala Daeng zeigten mehrere aus der Gruppe den verbliebenen Fahrgästen noch obszöne Gesten. Der Clip der TikTok-Nutzerin @1234aaawry kam auf rund 160.000 Aufrufe, ein Repost auf der Plattform X überschritt bis Freitag die Marke von zwei Millionen.
„Sorry for bringing money“ – der Satz, der alles zum Kochen brachte
Mitten im Streit ließ sich einer der Jugendlichen zu einer höhnischen Entschuldigung hinreißen: „Sorry for bringing money to your country.“ Ein anderer streckte den Mittelfinger in die Kamera, eine junge Frau aus der Gruppe forderte die Filmende auf Englisch zum Schweigen auf – in deutlich derberer Wortwahl.
Die Thai-Fahrgastin verlor daraufhin selbst die Fassung und konterte mit demselben Vokabular. In den Kommentarspalten zählt das kaum. Für die große Mehrheit der thailändischen Nutzer ist der Satz über das Geld das Einzige, was von diesem Abend hängen bleibt.
Eine Schulklasse, aufgespürt in wenigen Stunden
Thailändische Nutzer brauchten kaum einen Abend, um die Herkunft der Gruppe zu klären: Schüler des Liceo Scientifico A. Einstein aus Italien, unterwegs auf einer organisierten Studienreise. Kurz darauf kursierten auch die privaten Profile einzelner Jugendlicher offen in den sozialen Netzwerken.
Mehrere der betroffenen Jugendlichen schalteten ihre Konten daraufhin auf privat. Der Wochenblitz verzichtet bewusst darauf, Namen oder Gesichter der Minderjährigen zu zeigen. Die Jagd auf einzelne Sechzehnjährige ist längst zum eigentlichen Problem dieses Falls geworden.
Der Veranstalter entschuldigt sich – und windet sich
Der italienische Studienreise-Anbieter TravellingFox Estate INPSieme reagierte mit einer offiziellen Erklärung an die thailändische Öffentlichkeit. Das Verhalten der Schüler entspreche nicht den Werten, die man seit vielen Jahren vertrete und fördere, hieß es darin wörtlich.
Zugleich verwies das Unternehmen auf die „momentane Aufregung“, die junge Reisende im Ausland zu überschwänglichem Auftreten verleiten könne. Eine Rechtfertigung für unangemessene Gesten sei das ausdrücklich nicht. Man bringe seit zwanzig Jahren italienische Schüler nach Thailand, in ein Land, das man zutiefst schätze.
Kommentar-Sturm auf der Seite der Botschaft
Der Zorn suchte sich schnell eine Adresse. Unter einem völlig unbeteiligten Beitrag auf der Facebook-Seite der italienischen Botschaft in Bangkok sammelten sich massenhaft thailändische Kommentare, die Konsequenzen für die Gruppe verlangten.
Der Tenor ist stets derselbe: Wer hier Geld ausgibt, darf sich deshalb noch lange nicht alles herausnehmen. Der Fall reiht sich damit in eine ganze Serie von Zwischenfällen ein, diedie Debatte über das Benehmen ausländischer Gästeseit Monaten befeuern.
Zwei Seiten, die sich nichts schenkten
Ein Zeuge widersprach in den Kommentaren der Darstellung, die Gruppe sei ohne Betreuung unterwegs gewesen. Ein Reiseleiter habe mehrfach vergeblich versucht, die Jugendlichen zur Ruhe zu bringen, an der Station Saphan Taksin sei sogar Sicherheitspersonal gerufen worden.
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Eingegriffen hat am Ende niemand. Auch die Belehrung der Thai-Frau, Touristen gehörten auf die Sukhumvit-Linie, hat keine Grundlage: Die BTS beschränkt Fahrgäste nicht auf bestimmte Strecken. Sie verlangt lediglich, niemanden durch Lärm zu stören.
Video
Quelle:Thaiger