Erwin schrieb
Gruselig! Zum Glück bin ich bald weg von TH!
Lieber Erwin,
deine Reaktion auf das Thema „Thailand als LGBTQ+-Reise-Highlight 2025“ möchte ich mit einem kurzen, respektvollen Hinweis ergänzen.
Thailand – und viele Teile Asiens – sind tatsächlich schon seit Jahrhunderten wesentlich offener im Umgang mit Geschlechtsidentitäten und sexueller Vielfalt, als es in vielen westlich geprägten Gesellschaften lange der Fall war. In der thailändischen Gesellschaft gibt es historisch gewachsene soziale Räume für Menschen, die nicht in das klassische westliche Mann-Frau-Schema passen – darunter auch das, was heute als „drittes Geschlecht“ oder „Non-Binary“ bezeichnet wird. Besonders sichtbar sind zum Beispiel die sogenannten „Kathoey“, die in Thailand keineswegs nur eine Randerscheinung sind, sondern Teil der gesellschaftlichen Realität – oft als Künstlerinnen, Entertainerinnen, aber auch in ganz normalen Berufen.
Diese Offenheit wurzelt unter anderem im Buddhismus, der in Thailand weit verbreitet ist. Der Buddhismus kennt keine rigiden moralischen Dogmen in Bezug auf Geschlecht oder Sexualität wie etwa der christliche Glaube, sondern stellt vielmehr das individuelle Leid, Mitgefühl und den Weg zur Befreiung in den Mittelpunkt. Wer anderen nicht schadet, wird auch nicht verurteilt. Das führt im Alltag oft zu einer erstaunlich toleranten und pragmatischen Haltung, auch wenn natürlich – wie überall – gesellschaftliche Vorurteile nicht ganz ausbleiben.
Dass Thailand 2025 als LGBTQ+-Reise-Highlight genannt wird, ist also keineswegs „gruselig“, sondern Ausdruck eines kulturellen Selbstverständnisses, das Offenheit und Vielfalt nicht nur duldet, sondern in vielen Bereichen ganz selbstverständlich mitträgt. Diese Haltung mag für manche westlich geprägten Beobachter ungewohnt sein – sie verdient jedoch Respekt, gerade auch im Lichte der globalen Diskussionen über Menschenrechte und Gleichberechtigung.
Ich wünsche dir, wohin auch immer dein Weg dich führt, alles Gute – und vielleicht einen Moment der Offenheit für andere Perspektiven.